Bei vernetzten Rechnersystemen
treten in der Schule ganz andere Probleme auf, als die, die man bei Büroanlagen
zu lösen hat. Diskless-Workstations und diskless-Terminals haben nicht
nur den Vorteil, daß sie am Ende einer Sitzung einfach ausgeschaltet
werden können, ohne "heruntergefahren werden zu müssen",
sie erfordern auch keinerlei Installationsarbeiten, wenn neue Software
in das System eingespielt wird und sind gegenüber "Schülerangriffen"
und Viren resistent.

Als Alternative bietet
sich an der Einsatz von festplattenlosen und völlig wartungsfreien
Netzcomputern, die als Terminals konfiguriert sind. Drei kommerzielle Beispiele
sollen betrachtet werden:
Da
kaum ein Schüler Linux von
zu Hause her kennt, entfallen viele Spielereien und Abgelenktheiten im
Unterricht, die man bei Nutzung von Windows beobachten kann. Da das zumeist
kostenlose Unix-Programmangebot extrem groß ist, kann man alle
Bereiche des Unterrichts mit diesem Betriebssystem abdecken. Alle Programme,
die einmalig auf dem Server installiert sind, stehen sofort allen Arbeitsplätzen
zur Verfügung. Schüler haben nur in ihrem Heimatverzeichnis Schreibrechte
und können keinen Unfug anstellen. Eine Virenproblematik gibt es praktisch
nicht. Inzwischen stehen auch sehr viele kommerzielle Programme, wie Netscape,
Star-Office, Applixware, Adabas und WordPerfect (für Schulen zumeist
kostenlos) zur Verfügung. Da es in der ITG, in der Informatik und
bei der Beherrschung neuer Techniken (e-mail, Internetzugriffen, Nutzung
von Bürosoftware, Grafik- und Soundbearbeitung) nicht darum gehen
kann, eine Produktschulung für eine bestimmte Firma vorzunehmen, sondern
Schulen Prinzipien und Konzepte zu vermitteln haben, die längerfristig
gültig sind als die Verweildauer bestimmter Softwareversionen auf
dem Markt, ist das Arbeiten unter Linux von durchaus weitergehender Bedeutung.
(Ausnahme: Berufsbezogene Schulen, wie Oberstufenzentren). Allenfalls für
den Betrieb der sogenannten "pädagogischen Software", die speziell
für Windows geschrieben ist, muß man nach einer Windows-Betriebsmöglichkeit
suchen, so man diese Software für wesentlich hält. * Linux repräsentiert mit seiner Entstehungsgeschichte auch den freiheitlichen Gedanken des Internets, ist ein fimenunabhängiges, offenes und bestens dokumentiertes Betriebssystem, das sich in weiten Bereichen auf wirkliche Standardisierungen berufen kann.
Darf
es etwas teuerer sein und meint man, auf Windows nicht verzichten zu können,
so kann man durch Einsatz eines Windows-NT-Terminalsevers
mit dem Zusatzpaket pICAsso auf den gleichen Arbeitsplätzen
(Netzcomputern) die Windows-Software nutzen. Je nach technischer Lösung
kann dabei der Linux-Server entfallen oder ist der Windows-Server zusätzlich
erforderlich. Im Vergleich zum Linux-Server muß allerdings der Windowsserver
mit deutlich größeren Ressourcen ausgestattet sein. Übernimmt
der Windows-Server in diesem Zusammenhang die Benutzerverwaltung, so ist
man die Problematik der recht komplexen Einstellung von Zugriffsrechten
unter NT allerdings nicht los. Es gibt aber auch Lösungen, die über
NIS-Dienste die Benutzerverwaltung vom Linux-Server übernehmen. Das
Vorhandensein eines Linuxservers erleichtert auch den Aufbau eines eigenen
Mailservers (Schreiben von Briefen, ohne daß dabei eine Internetverbindung
bestehen muß).
Ist
man nicht in der glücklichen Lage, im Zuge einer Neubeschaffung eine
Komplettlösung mit Netzcomputern, Linux-Server und Windows-Terminalserver
kaufen zu können, so besteht die Möglichkeit, selber (fast) festplattenlose
Linux-X11-Terminals zu konfigurieren, für die man aus dem Internet
(http://www.citrix.com) auch einen
ICA-Klienten (s.o.) erhalten kann.
Der Systemstart erfolgt hier allerdings nicht mit einem EProm, sondern mit einer der drei folgenden Möglichkeiten:
loadlin ZIMAGE.NFS root=/dev/nfs nfsroot=192.168.10.1:/usr2/diskless/alpha nfsaddrs=192.168.10.41:192.168.10.1:::alpha::noneNatürlich sind die IP-Adressen und Rechnernamen entsprechend anzupassen. Der Server muß das Workstationverzeichnis mit read/write, no_root_squash exportieren und ebenfalls in der /etc/hosts angepaßt werden.
Beim Start des festplattenlosen Arbeitsplatzes (zunächst als Workstation) gibt es einige Probleme, die sich dadurch bemerkbar machen, daß der Startvorgang recht lange dauert. Es sind deshalb der übliche Yast-Lauf zur Konfiguration durchzuführen und vom Server aus folgende Workstationdateien anzupassen:
Die auf der
CD befindliche Software kann genäß den GNU-Lizenzbestimmungen
kopiert und weitergegeben werden. Ich verleihe die CD an Schulen Berlins.
Beachten Sie bitte, daß das System platzmäßig noch nicht optimiert ist. Es stellt praktisch eine komplette Linux-Installation dar und benötigt pro Arbeitsplatz ca. 60 MB. Dies dürfte aber bei den heutigen Preisen für Massenspeicher kein Problem sein. Sie benötigen für den Terminalbetrieb sowieso einen relativ leistungsstarken Server. Sie sollten pro Arbeitsplatz von ca. 10 MB RAM auf dem Server ausgehen. Wir arbeiten an der Humboldtschule mit 12 festplattenlosen X-Terminals auf einem Rechner mit 128 MB RAM. Für die Schülerarbeitsplätze genügen 12 - 16 MB RAM (ab 80386). Eine 10 MBit / s - Vernetzung reicht aus.
Legen Sie die CD in das CD-Rom-Laufwerk und mounten Sie es (mount /dev/cdrom /cdrom) als root. Legen Sie ein Verzeichnis für die geplanten root-Filesysteme der Arbeitsplatzrechner an (mkdir usr2/diskless). Es ist nicht falsch, diese Filesysteme auf verscheidene Partitionen oder noch besser auf mehrere Festplatten zu verteilen. Entpacken Sie nun die auf der CD befindliche Datei diskless.tgz, indem Sie als root im vorbereiteten Verzeichnis (/usr2/diskless) eingeben: tar -xvzpf /cdrom/diskless.tgz
Starten Sie nun einmal das Programm zur Initialisierung des Servers, indem Sie eingeben: ./setup_server
Installieren Sie nun die Dateien für Ihren ersten Arbeitsplatz, indem Sie eingeben: ./mach_neues_Terminal rechner1
Der Parameter rechner1 kann natürlich durch jeden anderen Rechnernamen ersetzt werden. Es wird ein Unterverzeichnis mit dem Rechnernamen angelegt, in dem sich das root-Filesystem für den festplattenlosen Arbeitsplatz befindet. Nach diesem Installationsschritt ist eine Anpassung an das bestehende Netz vorzunehmen. Dazu dient das Programm ./setup_Workstation ,das automatisch nach dem Einspielen des Filesystems gestartet wird. Es kann jederzeit erneut aufgerufen werden. Achten Sie darauf, daß die IP-Adresse der Workstation im Netz des Servers liegt!
Erzeugen Sie sich jetzt eine DOS-Boot-Diskette und kopieren Sie die Dateien aus dem Unterverzeichnis Floppy auf die Diskette (mcopy floppy/* a:). Benutzen Sie einen DOS-Editor, um die Datei autoexec.bat auf der Diskette anzupassen (Arbeitsplatzname - ursprünglich alpha, Server-IP und Arbeitsplatz-IP). Zusätzlich ist das Verzeichnis anzugeben, in dem das root-Filesystem für den Arbeitsplatz auf dem Server liegt!
ACHTUNG: Die Datei zimage.nfs ist ein Kern, der mit einer NE2000 Netzwerkkarte zusammenarbeitet und zumindest einen 80486-Prozessor fordert. Sie sollten sich auf irgendeinem Linuxsystem (z.B. auf dem Server) einen eigenen für Ihren Arbeitsplatz geeigneten Kern erzeugen.
Kernerzeugung: Begeben Sie sich als root in das Verzeichnis /usr/src/linux (cd /usr/src/linux). Geben Sie ein:
make clean
make dep
make config
make modules
make modules_install
Im Zusammenhang mit "make config" haben Sie nun eine Reihe von Angaben zu machen. Wichtig ist es, die richtige Netzwerkkarte zu wählen, die Option "ROOT-Filesystem über nfs" und ggf. den richtigen Plattenkontroller (s.o.) zu aktivieren.
Nachdem der Kern erzeugt wurde, begeben
Sie sich in ein anderes Verzeichnis: cd
/usr/src/linux/arch/i386/boot
und kopieren von dort die Datei zImage auf die DOS-Diskette: mcopy
zImage a:zimage.nfs
Konfiguration des Arbeitsplatzes
Nun können Sie Ihren Arbeitsplatz mit der Diskette booten. Erscheint die Loginaufforderung, so melden Sie sich als root mit dem Password bics98 an. Das Password können Sie mit dem Befehl passwd ändern. Rufen Sie nun das Programm yast auf, um das Netzwerk Ihrer Arbeitsstation endgültig zu konfigurieren.
---> Administration des Systems ---> Netzwerk
Grundkonfiguration (IP-Adresse nochmals eingeben)
---> Administration des Systems ---> Netzwerk
Grundkonfiguration (Rechnernamen ändern)
Um den X-11-Betrieb vorzubereiten, müssen
Sie vom Server aus den für die Grafikkarte passenden X-Server in das
Verzeichnis .
..../diskless/rechnername/usr/X11/bin
kopieren. Alle Server befinden sich im
Unterverzeichnis server. Standardmäßig ist der XF86_SVGA-Server
installiert, der ggf gelöscht werden kann. Nun wird mit Yast der Server
konfiguriert:
---> Administration des Systems ---> XFree 86 konfigurieren
In der Regel sind alle anderen Einstellungen fertig eingerichtet.
Vor dem nächsten Start kann der Arbeitsplatz vom Workstationbetrieb in den X-Terminalbetrieb umgeschaltet werden. Hierzu dient das Programm
./schalte_auf_X11_Modus rechnername
das vom Server aus gestartet wird. (Entsprechend gibt es ein Programm ./schalte_auf WS_Modus). Um ein Loginfenster auf dem Arbeitsplatz zu generieren, müssen Sie auf dem Server noch das Programm xdm aufrufen.
Der Aufruf kann automatisiert werden, indem vor der letzten Zeile (exit) der Datei /sbin/init.d/boot.local der Befehl xdm in einer zusätzlichen Zeile eingetragen wird.
Weitere Rechnerplätze einrichten:
Der Vorgang läßt sich beliebig
oft wiederholen. Unterscheiden sich die Arbeitsplätze nicht in den
Grafikkarten, so kann die X-11-Konfiguration vermieden werden, indem man
das Programm ./dupliziere_Terminal
aufruft. In diesem Fall muß nur die Netzwekkonfiguration durchgeführt
werden.
Dr.
Bernd Kokavecz
koka@hmbldt.be.schule.de
Oktober 1998
Dieser
Artikel ist beschreibt eine von vielen getesteten Rechnerkonfigurationen
an der Humboldt-Oberschule (Gymnasium) in Berlin-Tegel. Vergleichen Sie
bitte: http://www.b.shuttle.de/b/humboldt-os/system