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Nicht erst seitdem in die Schulen eine Flut von PCs hereingebrochen ist, wissen wir, dass die PC-Technik wegen des großen Wartungsaufwandes für Schülerarbeitsplätze praktisch ungeeignet ist. Entsprechende Untersuchungsergebnisse aus Großbetrieben und Verwaltungen liegen seit Jahren vor, insbesondere in den USA wird auf die "Total Cost of Ownership" (TCO) seit geraumer Zeit geachtet (s. Fachzeitschriften). Fortschrittliche Konzepte lösen den für den heimischen Markt weiter sinnvoll einsetzbaren Personal Computer im Bereich professioneller Arbeit ab.
Unter der Voraussetzung, dass man zu dem Schluss kommt, nicht jeder Schülerarbeitsplatz müsse für die Bearbeitung von Videofilmen geeignet sein, lassen sich Lösungen für Schulrechneranlagen realisieren, die die Nachteile der PC-Technik vermeiden und mit platten- und diskettenlosen Geräten arbeiten. Diese "ThinClients" werden an einem leistungsstarken ("fetten") Server betrieben, auf dem alle Programme aller Benutzer quasi parallel ausgeführt werden. Nur die Bildschirmausgaben und die Eingaben von Tastatur und Maus werden über das Netz übertragen, die Schüler haben keine Möglichkeit ihren Arbeitsplatz zu "vermurksen".
Die Thin Clients müssen ggf. lediglich in einem Setup auf die vorliegenden Netzbedingungen eingestellt werden (IP-Adresse u.ä.) und können dann ohne jegliche Softwareinstallation betrieben werden! Es sind praktisch keine Wartungsarbeiten erforderlich, eine Modernisierung der Anlage beschränkt sich auf den Austausch des Servers. Die Arbeitsplätze können weiter betrieben werden (Investitionsschutz). Thin Clients kosten etwas weniger als die PC - Hardware, die Hardwarekosten für die leistungsfähigen Terminal-Server liegen geringfügig über denen von üblichen Fileservern. Bei Nutzung von Linux lassen sich erhebliche Mittel im Softwarebereich einsparen (s.u.).
Klicken Sie hier, um einige ThinClients zu besichtigen!
Seit zwei Jahren betreiben ich an der Humboldtschule und Klaus Drescher an der Archenhold-Oberschule Thin Clients
zur größten Zufriedenheit. Inzwischen gibt es in Berlin etwa fünf Schulen, die Thin Clients einsetzen.
Bei dieser Lösung lassen sich im Vergleich zu üblichen Ausstattungen massive Kosten einsparen, weil sowohl das Betriebssystem als auch eine Fülle von Anwenderprogrammen kostenlos sind. Es handelt sich dabei überwiegend um professionelle Entwicklungen aus dem universitären Bereich. Linux ist heute recht einfach zu installieren, seine grafische Oberfläche braucht sich hinter anderen Systemen nicht zu verstecken - im Gegenteil! Firmen mit entsprechendem Know-how verkaufen auch fertig installierte Server (Linux auf den Desktop).
Linux (Unix) war seit jeher als mehrplatzfähiges Betriebssystem ausgelegt, so dass der Betrieb der Thin Clients auf Anhieb gelingt: Über einen Switch werden die Thin Clients per TP-Kabel angeschlossen, im Setup müssen einige Einstellungen vorgenommen werden (TCP/IP-Protokoll), in der Regel hilft die Lieferfirma dabei. Komplizierte Dienste - wie NIS - sind nicht erforderlich. Bei kleinen Anlagen (mit 8 Arbeitsplätzen) kann der Server auch die Internetanbindung vornehmen, bei größeren Anlagen ab 12 Thin Clients sollte ein ODS-Server oder der CUBE den Internetzugang (Proxy) besorgen. Bei sehr großen Anlagen wird die Rechenleistung auf zwei Server verteilt, der zweite muß dann allerdings als NIS-Client, der erste als NIS-Server fungieren. Empfehlenswert sind Motherboards mit zwei Prozessoren. An meiner Schule arbeiteten 12 Thin Clients an einem Server mit 512 MB RAM, 10 GB Festplatte, 400 MHz Pentium II (1 Stück) erfolgreich.
Um (testweise) auch von den Thin Clients auf Windowsprogramme zugreifen zu können, haben wir einen zweiten Server in das Netz integriert. Er ist leider nur mit einem 180 MHz Pentium-Pro-Prozessor ausgerüstet und hat 256 MB Ram. Auf ihm wurde der Microsoft-Terminalserver (NT-4.0) installiert. Zusätzlich wurde Metaframe von der Firma Citrix installiert. Diese Software sorgt für eine brauchbare Geschwindigkeit des MS-Terminal-Servers beim Betrieb von mehr als 5 Thin Clients (ICA-Protokoll für die Datenübertragung). Die erforderliche Software kostet allerdings über 10000.-- DM. Wegen unserer "Serverschwäche" kann man dennoch nur von 5 Arbeitsplätzen aus gleichzeitig sinnvoll mit den Windows-Programmen arbeiten. Zu Demonstartionszwecken reicht das aber aus.
Unter Metaframe können nun einzelne Applikationen für den "anonymen Gebrauch" (ohne login auf dem NT-Server) bereitgestellt werden. Von den Thin Clients aus wird der auf dem Linux-Server installierte ICA-Client (für Linux aus dem Internet) gestartet. Eine Auswahlliste zeigt die freigegebenen Windowsapplikationen. Mit einem Mausklick wird nun z.B. Word auf dem Terminalserver gestartet und mit Hilfe des ICA-Clients auf dem Thin Client (unter X11) dargestellt.
Um seine Windows-Daten auf dem Linux-Server zu speichern, wird auf die Netzwerk-Suchfunktion von NT zurückgegriffen und der Linux-Server über Samba angesprochen.
Klicken Sie hier, um sich WinWord unter KDE anzusehen.
Mit seinen Sun Rays bietet die Firma Sun eine technisch optimale Lösung für Thin Clients an, die durch überraschend hohe Geschwindigkeit und volle Multimediafähigkeit besticht. Speziell auf den Sun-Server angepasste Protokolle und Hardwarerealisierungen sorgen dafür, dass diese Geräte nicht einmal eine Setup-Konfiguration benötigen, sondern nach Anschluß an den Server wirklich sofort betrieben werden können.
Das Serverbetriebssystem ist Solaris (Unix), alle GNU-Software, die überwiegend auch bei Linux zum Einsatz kommt, kann hier benutzt werden. Da Solaris sich am firmenunabhängigen Unix-Standard orientiert, kann das System beliebig skaliert, erweitert und mit anderen Systemen kombiniert werden. Mit einem zusätzlichen Windows-NT- Terminalserver stehen auch alle Windowsprogramme zur Verfügung (siehe: Thin Clients in einer Serverfarm).
Bei dieser zzt. noch sehr teuren Lösung spielt das Betriebssystem praktisch keine Rolle mehr. Am wartungsfreien Arbeitsplatz (Thin Client) kann man jederzeit auf Windows-, Linux- , Solaris- Programme zugreifen, ja selbst ein Zugriff auf den neuen Apple-Server sollte möglich sein.
Denkbar sind als Zukunftsperspektive Serverfarmen, die von professionellen Vollzeitkräften für mehrere Schulen betrieben werden. Die Softwarelizenzen werden automatisch verwaltet und die Schulen werden von der Systemverwaltung befreit.
Klaus Drescher an der Archenhold-Oberschule hat auch auf diesem Gebiet Vorarbeit geleistet.
Dr. Bernd Kokavecz