Es ist Donnerstag, der 29.10.2002. Um 13.00 Uhr sollen wir nach Kopenhagen fliegen und falls wir den Flug sicher überstehen, weiter nach Stockholm. Da ich eher wenig Erfahrung mit dem Fliegen habe, war ich nicht nur wegen der Reise, sondern auch wegen des Fluges aufgeregt. Als wir dann in dem Flugzeug saßen und sich die Maschine vom Boden hob, fand ich jedoch Gefallen daran und konnte es kaum erwarten in Kopenhagen wieder umzusteigen. Während der Hinreise machten wir uns nicht nur mit dem aussergewöhnlichen Essen der Fluggesellschaft bekannt, sondern diskutierten angeregt über unsere möglichen Gastfamilien. Endlich angekommen, standen wir in Kreisform vor den auf uns wartenden Schweden und ließen unsere Namen aufrufen. Da ich mit einer Freundin im gleichen Ort wohnte, konnte man der erst ungewohnten Konversation leicht aus dem Weg gehen. Wir fuhren also alle mit unseren Gastfamilien zu unserem neuen Zuhause. Die Kommunikation am ersten Tag zwischen den anderen Austauschschülern und uns Deutschen ging eher schleichend voran, welches uns bei der Willkommensfeier im Huddingegymnasium bewusst wurde. Trotz aller Anfangsschwierigkeiten kamen wir uns durch die immer wieder wechselnden Gruppeneinteilungen bei jeglichen Ausflügen näher. Da wir uns glücklicherweise fast alle mit "unseren" Schweden verstanden, stand einer schönen und lustigen Woche nichts mehr im Weg. Wir besichtigten nicht nur die schöne Altstadt Stockholms und nutzten diesen Aufenthalt für ausgedehnte Einkäufe (Lieblingsbeschäftigung der Schweden) , sondern konnten auch einen Blick auf die Besonderheiten der Schule werfen. Die Schule besitzt nicht nur eine Schwimmhalle, mehrere Tennisplätze, mindestens vier Computerräume, einen Fernseher in der Kaffeeteria, wirklich ausgefallenes Schulessen, welches sich in vegetarisches und moslimisches Essen unterteilt, sondern auch ein paar Masseure für gestresste Musiker.
Am Samstag, den 28.09., war Familientag, welcher dem besseren Kennenlernen der Gastfamilien dienen sollte. Die Muttersprache meiner Austauschschülerin ist Spanisch und ihr Vater kommt aus Afrika. Da wir beide uns gut verstanden, nutzten wir diesen freien Tag, wie so oft zuvor, für ausgedehnte Unterhaltungen über Familie, Freunde, Musik, nächtliche Veranstaltungsmöglichkeiten...
Außerdem war ihre kleine Cousine zu Besuch, die voller Stolz auf Englisch "Danke" und "Bitte" sagen konnte. Meine Gastmutter sprach leider kein Englisch, was sie aber nicht davon abhielt mir jeden Morgen und jeden Abend ein Lächeln zu schenken. Besonders auffällig für uns Schüler aus Deutschland war, dass nicht ein Film oder eine Serie, welche aus dem Ausland kommt, im schwedischen Fernsehen synchronisiert wird. Natürlich stellten wir uns dann die Herausforderung ins Kino zu gehen und uns einen amerikanischen Film anzuschauen. Am folgenden Tag fuhren alle Schüler aus Belgien, Schweden und Deutschland auf die wunderschöne Insel Blidö, wo wir alle den Auftrag bekamen, etwas über die Unterschiede zwischen unseren Kulturen herauszufinden. Dabei fanden wir heraus, dass schwedische Teenager erst ab 18 Jahren Alkohol trinken dürfen, unsere Belgier Extacy nicht für eine Droge halten und wir Deutsche schon fast alle einmal betrunken waren :-)
Abends konnten wir unser Programm immer selbst bestimmen: wir feierten Feten bei Anders (seine Eltern waren im Urlaub), gingen einen Abend in die Spielhalle, setzten uns in ein Nachtcafé, wobei wir nicht nur den unwiderstehlichen Schokokuchen genossen, sondern auch den Belgiern etwas näher kamen - lustiger Abend! Ich machte sogar Bekanntschaft mit Eishockey. Auch schlechte Wetterfronten hielten uns nicht davon ab, draussen im Regen am See ein Lagerfeuer zu machen, wobei durch die lockere Atmosphäre die Gespräche wie von selbst liefen. Nach vielen weiteren Erlebnissen und einer bewegenden Abschiedsparty flogen wir am Samstag, den 05.10.2002 um 18.25 Uhr, nach Berlin zurück.
Ich könnte noch ewig weiter schreiben... Es war eine schöne Erfahrung, welche mir nicht nur bewies, meine Englischkenntnisse anwenden zu können, sondern mir auch viel Spaß bereitete. Besonders faszinierend war es, die unterschiedlichen Gewohnheiten und Kulturen der fremden Länder kennenzulernen. Ich hoffe, wir können unseren Austauschschülern auch eine solche unvergessene Woche bieten.
Nadine Bosse
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