
Paula Schäfer, geborene Jacoby, wurde am 19.09.1899 in Berlin geboren und lebte bis zu ihrer Deportation nach Theresienstadt in der Graefestraße 91 in Berlin. Sie musste, wie alle jüdischen Frauen ab dem 17.08.1938, den Beinamen Sara tragen. Von Beruf war Paula Schäfer Arbeiterin und bei Fermeta, in der Michaelkirchstraße 15, beschäftigt.

Zu viert, mit ihrem Ehemann Walter Schäfer, ihrem Sohn Rolf Bernhard Schäfer und mit der Untermieterin Klara Süsskind, lebte sie vor ihrer Deportation nur ca. vier Monate in der Wohnung Am Johannisstisch 9, zuvor in der Graefestraße. Von hier wurde ihre Schwiegermutter deportiert, deshalb zogen die Schäfers um. Die neue Wohnung bestand aus drei Zimmern, nämlich einem Wohn- und Herrenzimmer, einer Küche und wahrscheinlich dem Zimmer der Untermieterin. Es wurde angegeben, dass etwas Geschirr und Besteck vorhanden ist. In der Vermögenserklärung wurde der Inventurwert sehr gering geschätzt. Am 22.02.1943 unterschrieb Paula Schäfer die Vermögenserklärung. Hierbei fällt auf, dass sie ihren Beinamen, wie zuvor schon den ihres Sohnes, nachträglich dazugesetzt hat. Es scheint, als konnte sie sich nicht an die von den Nazis ausgeübte Ungerechtigkeit und an die Pauschalisierung aller Juden, beziehungsweise Jüdinnen, verständlicherweise nicht gewöhnen. In der Verfügung vom ersten Februar 1943 wird klar, dass Juden allgemein als Staatsfeinde galten und deswegen, wie zum Beispiel auch Kommunisten, keinen Besitz haben durften. Ihr gesamtes Vermögen wurde zu Gunsten der Deutschen Reiches eingezogen.
Sieben Monate nach der Deportation Paula Schäfers wurde eine genaue Bewertung ihres Inventars gemacht. Peinlich genau wurden alle sich im Haushalt befindenden Gegenstände aufgeführt und teilweise, wie zum Beispiel ein Teppich, als wertlos befunden. Diese handschriftliche Bemerkung verdeutlicht noch mal, wie menschenunwürdig die Nazis waren. Vielleicht war der Teppich nicht mehr von hohem materiellem Wert, jedoch hat er einer Familie gehört und hatte für diese sicherlich einen emotionalen beziehungsweise alltäglichen Wert.
Am 22.10.1943 ging der Besitz der Familie Schäfer für wenige Reichsmark an Otto Barter über. Anfang November 1943 ließ die Vermögensverwertungsstelle des Dritten Deutschen Reiches prüfen, ob Paula Schäfer zu dem Zeitpunkt noch andere Vermögenswerte besaß, zum Beispiel ein Sparkonto oder Immobilien. In einem Schreiben vom 16. November 1943 wird dieses verneint.
Dieser Text ist nur eine kurze Zusammenfassung eines Lebensabschnittes Paula Schäfers. Doch gerade Einzelschicksale geben einen kleinen Eindruck der Grausamkeit der Nazis wieder. Wer kann schon etwas mit einer Zahl von sechs Millionen Opfern des Holocausts anfangen? |