
Selma Schäfer, geb. Wiener, wurde am 19.06.1865 in Hohenlohenhütte geboren. Zu dieser Zeit waren die Juden in Deutschland gleichberechtigt und führten ein Leben wie jeder andere.

Nach dem von 1914 bis 1918 dauernden Ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik hat sich das Leben der Juden durch die Machtergreifung Hitlers und den Folgen der Nürnberger Gesetze grundlegend verändert. In der Nacht vom 09. zum 10. November fand der von der SA organisierte so genannte Novemberpogrom statt, in der die SA verdeckt den öffentlichen Judenhass anregen wollte. Von da an wurde das Leben für Juden nur noch schwerer, da sie nun jederzeit, wenn sie ihre Wohnungen verließen, damit rechnen mussten, von Deutschen misshandelt zu werden. Sie wurden ebenfalls größtenteils aus dem öffentlichen Leben verbannt und von der Öffentlichkeit verpönt. So durften Juden zum Beispiel nicht mehr in Cafés gehen, die nur für Deutsche geöffnet hatten oder es wurden Läden mit Hetzkampagnen wie "Kauft nicht beim Juden“ für die öffentliche Bevölkerung tabuisiert.
Selma Schäfer war zur Zeit der Machtergreifung schon 68 Jahre alt und verwitwet. In dieser Zeit wurden viele Gesetze erlassen, die das Leben für den j üdischen Bevölkerungsteil sehr beschränkten. Ab dem 01.01.1939 musste Selma den Zwangsvornamen Sara annehmen. Sie lebte bis zu ihrer Deportation bei ihrem Sohn Walter hier in der Gräfestr. 91. Ihr stand als Jüdin keine Rente zu und ihr einziges zur Verfügung gestelltes Geld waren 15 Reichsmark Elternbeihilfe.
Am 17. September 1942 wurde Selma enteignet. Sie hat jedoch kein Eigentum in der Vermögenserklärung angegeben, was darauf schließen lässt, dass sie ihrem Sohn Walter ihre Habseligkeiten überlassen hat. Fünf Tage später, am 22.09.1942, wurde Selma Schäfer nach Theresienstadt deportiert. Sie ist dann, am 08.01.1943, im Alter von 77 Jahren, nach circa 3 ½ Monaten Gefangenschaft und Zwangsarbeit bei eisiger Kälte in Theresienstadt gestorben.
Ich möchte Sie und euch jetzt um eine Schweigeminute im Gedenken an Selma Schäfer bitten. |