
Wir möchten heute gemeinsam einen Stolperstein in Gedenken an Walter Schäfer verlegen, dem, weil er Jude war, von den Nazis jedes Recht auf Existenz und freie Lebensgestaltung aberkannt worden war. Im März 1943 deportiert, wurde er höchstwahrscheinlich ermordet, jedoch sind die genauen Umstände seines Todes leider ungeklärt.

Walter Schäfer wurde am 08.06.1899 in Gleiwitz geboren. Er war Staatsbürger des Deutschen Reiches, aber ab 1935 wurden Juden durch die Nürnberger Gesetze zu Staatsbürgern 2. Klasse degradiert und mit der Verabschiedung des Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen aus rassischen und politischen Gründen am 14.07.1935 konnten Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt werden. Auch wurde ihnen zum Beispiel das aktive und passive Wahlrecht entzogen. Ab dem 01.01.1939 musste Walter Schäfer den Zunamen Israel tragen und ab dem 01.09.1941 hatte er sich wie alle Juden im Deutschen Reich mit einem sechseckigen Stern aus gelbem Stoff mit der Aufschrift Jude zu kennzeichnen.
Als Beruf gibt Walter Schäfer in der Vermögenserklärung Arbeiter an und verdiente zu diesem Zeitpunkt 37 Reichsmark. Wohnhaft war er mit seiner Frau Paula und seinem Sohn Rolf seit dem 01.04.1934 in der Graefestraße 91, wo sie aber am 01.12.1942 auszogen. Ein am 30.04.1939 erlassenes Gesetz, mit dem Juden ohne Angaben von Gründen oder Einhaltungen von Fristen aus ihren Wohnungen in sogenannte Judenhäuser, Judenwohnungen und Judenräume vertrieben wurden, lässt darauf schließen, dass auch Walter Schäfer und seine Familie nicht freiwillig ihre Wohnung verließen.
Am 01.12.1942 bezogen die Schäfers eine 3-Zimmerwohnung Am Johannistisch 9, die in den Akten als Judenwohnung bezeichnet wird. Für sie musste Walter Schäfer am 18.11.1942 eine Vermögenserklärung ausfüllen, in der er sein gesamtes noch vorhandenes Hab und Gut aufzulisten hatte. Am 28.02.1943 wurde dieses "zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen“. In der Verfügung heißt es, Walter Schäfer sei "zuletzt wohnhaft in Berlin SW 61, Am Johannistisch 9“ gewesen, er wurde jedoch erst Anfang März 1943 deportiert.
Es ist unklar, was Walter Schäfer in den ein oder zwei Wochen zwischen dieser Verfügung und seiner tatsächlichen Deportation gemacht hat. Vielleicht war er in einer der großen Judensammellager oder er versuchte sich zu verstecken, um der Deportation zu entkommen. Aufgezeichnet ist nur, dass er mit dem 38. Osttransport für immer verschwand.
Mit der Verlegung dieses Stolpersteins geben wir den Millionen von Opfern des Nationalsozialismus, eine Zahl, die einfach nicht greifbar ist, ein Gesicht. Wir gedenken des Menschen Walter Schäfer, dessen Leben, Träume und Ziele ausgelöscht wurden und ermahnen mit dem Stolperstein zugleich, dieses grausame Kapitels der Geschichte niemals zu vergessen, damit so etwas nie wieder möglich wird. |