
Am 9. Juni besuchte Salomon Perel, Überlebender des Holocaust, unsere Schule und erzählte aus seinem Leben. Dies ist die erste Station seiner diesjährigen Vortragsreise nach Berlin.

Es erschien fast unglaublich, wie er dem Ghetto und der Deportation ins Konzentrationslager entkam. Seine Eltern schickten ihn mit seinem älteren Bruder von Lodz nach Osten: Mit 14 Jahren sollte er sich nach Russland durchschlagen! Russische Soldaten bringen ihn in ein Waisenhaus in Grodno (Weißrussland), wo er fast zwei Jahre bleibt, russisch lernt und ein guter Stalinist wird. Als die Deutschen 1941 die Sowjetunion angreifen, flieht er, gerät aber schnell in die Hände der Wehrmacht. In Todesangst behauptet er, er sei "Volksdeutscher", der seine Papiere verloren habe. Er kommt mit dieser Behauptung durch, macht sich als Übersetzer für Russisch nützlich und wird später nach Braunschweig auf ein NS-Internat geschickt. Am Kriegsende trifft er seinen Bruder in einem KZ wieder.

Warum macht sich Sally Perel, inzwischen 82, aktiv in der israelischen Friedensbewegung, zweimal im Jahr auf den Weg von Israel nach Deutschland, um mit Schülern zu sprechen? Er schildert eindringlich, wie er zunächst im Waisenhaus alle Lehren annahm, die ihm dort vermittelt wurden. In noch viel stärkerem Maße verinnerlichte er die NS-Ideologie im Internat. Er beschreibt seinen seelischen Zwiespalt: "Nachts habe ich Angst vor der Entdeckung gehabt und vor Heimweh geweint, aber am Tag war ich ein begeisterter Hitlerjunge." Salomon Perel will junge Menschen davor warnen, sich vereinnahmen zu lassen, bedingungslos und unkritisch einer Ideologie zu folgen. Er selbst sei das beste Beispiel dafür, wie gut Indoktrination funktioniert. Er ist besorgt, dass Rechtsextremismus noch immer vorhanden ist und vielleicht wieder stärker werden könnte. Sind Deutsche heute immer noch schuldig? Perel: “Nein, Schuld kann man nicht erben. Es ist aber wichtig, dass ihr gegenüber Rechtsextremen wachsam seid!“

Am Ende eines längeren, fast privaten Gesprächs wird Salomon Perel mit Beifall verabschiedet, während die Ersten schon anfangen, sein Buch zu lesen. Beim Abschied zeigte Perel sich sehr beeindruckt vom Interesse und den Fragen der SchülerInnen.
(Anna Wulff) |