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AT 
WIFI Academy courses
Schlussfolgerungen (> Conclusions)
Nationale Schlussfolgerungen: Österreich

Monika Thum-Kraft
Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw), Wien 

November 1997 (bestätigt Januar 2000)

Position der WIFI-Fachakademie im österreichischen Bildungssystem
Die Systemvielfalt in Europa 
Aspekte des gegenseitigen Lernens

Verweis auf Fallstudie zu AT: WIFI Academy courses.


Position der WIFI-Fachakademie im österreichischen Bildungssystem 

In Österreich wird etwa jede 10. Matura auf dem zweiten Bildungsweg (Abendlehrgänge, Aufbaulehrgänge, Externistenprüfungen, Studienberechtigungsprüfungen, Berufsreifeprüfungen) erworben. Von diesen zehn Prozent werden wiederum 10% der Abschlüsse an den WIFI-Fachakademien gemacht., d.h. somit, daß ein Prozent aller Reifeprüfungen eines Jahrganges an den WIFI-Fachakademien abgelegt werden. Daraus ist  zu erklären, daß die WIFI-Fachakademien als weitere Alternative des Bildungssystems gut angenommen wurden und weiterhin auch angenommen werden (die Absolventenzahl von 300 pro Jahr ist stabil), daß jedoch andererseits dieser neue Ausbildungsgang bis jetzt das österreichische Bildungssystem als ganzes nicht wesentlich beeinflußt hat oder deutlich Veränderungen im Zustrom zu den einzelnen  Bildungsgängen verursacht hat - im Gegensatz zu den meisten anderen INTEQUAL-Modellen. 


Die Systemvielfalt in Europa 
Die Weiterbildung von Facharbeitern im Rahmen der WIFI-Fachakademien ist gegenüber den anderen hier vertretenen Modellen (außer Bac Pro) ein Weiterbildungsmodell und kein Erstausbildungsmodell. Trotz der vielfältigen Möglichkeiten einer Doppelqualifizierung von Facharbeitern in den Ländern Europas zeigen die Ergebnisse, daß es möglich ist, Vergleiche anzustellen, indem versucht wird, das eigene Modell in Zusammenhang mit den anderen Modellen zu sehen. Nicht jedoch kann es das Ziel sein, die Ausbildungsysteme gleich zu machen. So bestätigte sich für Österreich, daß das duale System der Lehrlingsausbildung als Erstausbildung für Facharbeiter viele Vorteile aufweist, jedoch schwerpunktmäßig fachliche Kenntnisse vermittelt. Die Vermittlung von darüber hinaus gehenden allgemeinbildenden Kenntnissen erfolgt zumeist extra oder im Rahmen von Weiterbildungsmaßnahmen. Anregungen zu einer parallelen Vermittlung von fachlichen und allgemeinbildenden Inhalten können aus den deutschen, holländischen und vielleicht auch englischen Modellen übernommen werden. Erste Schritt in diese Richtung wurden in Österreich im Herbst dieses Jahres mit der Einführung der Berufsreifeprüfung gesetzt.


Aspekte des gegenseitigen Lernens 

> Gleichklang der Bestrebungen
Sieht man von den unterschiedlichen Einbettungen der INTEQUAL-Modelle in die nationalen Bildungssysteme ab, fällt auf, daß die Methoden und Zielsetzungen einander sehr ähnlich sind.
So setzen eigentlich alle INTEQUAL-Modelle vermehrt auf anwendungsorientiertes, handlungsorientiertes Lernen, Selbstlernen, Learning by doing etc als wesentliches Merkmal der Doppelqualifizierung.
Auch viele Inhalte der Ausbildung, wie etwa die Vermittlung bzw das Training von Schlüsselqualifikationen, ist in allen Ländern festzustellen.

> Grenzen der Verknüpfung von „vocational and general education“
Es zeigte sich, daß die Balance zwischen den fachlichen und den allgemeinbildenden Inhalten oft schwer zu finden ist. So wurden die Schwerpunkte zumeist verstärkt auf ei-nen Bereich gelegt, so z.B. in Holland auf die fachlichen, in England auf die allgemeinen Inhalte. Hier zeigen sich die Grenzen der zweifach orientierten Ausbildung, vor allem wenn sie in der Erstausbildung lokalisiert ist. Weiters besteht auch die Gefahr, daß sich die vormals getrennten Ausbildungsgänge - vocational and general education - derart angleichen, daß sie sich auf EINE Ausbildungsform reduzieren. Daher ist der österreichische Weg, diese Ausbildung als Weiterbildung zu führen, eine mögliche Alternative. Denn das derzeit vielfältige Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten, das den unterschied-lichen Fähigkeiten der Lernenden entgegenkommt, sollte auf keinen Fall verringert wer-den.

> System der Trainerschulung
Von dem System der Trainerschulung in Norwegen sind für Österreich stimulierende Ansätze - wie etwa die pädagogischen Schulung - zu übernehmen.

> Gleichwertigkeit von Begriffen im EU-Raum
Trotz intensiver Beschäftigung mit den Begriffen „vocational und general education“ und „higher education“ im Rahmen dieser Studie, mußte doch festgestellt werden, daß innerhalb der Ausbildungssysteme der verschiedenen Länder die Bedeutungen dieser Begriffe mal mehr mal weniger unterschiedlich sind. Der Schluß, der daraus zu ziehen ist, ist nicht die Äquivalenz dieser Begriffe anzustreben, sondern ihre Bedeutung im Konnex des Bildungssystemes der jeweiligen Länder erkennen zu lernen. 

> Studien versus Literaturaustausch
Das Ziel gemeinsam, länderübergreifend eine Studie zu erarbeiten, bedeutet eine wesentlich intensivere Auseinandersetzung mit den Ausbildungssystemen der Partnerlän-der und deren Einbettung in die historisch gewachsenen Strukturen, als der bloße Ver-gleich von Systemen aufgrund von Literaturrecherchen. Daher bringt eine gemeinsame Studie eine viel größere Unmittelbarkeit der Forschungergebnisse mit sich. Darüber hinaus ist eine Einschätzung der Transfermöglichkeiten bestimmter Aspekte eines Ausbildungsganges in den eines anderen Landes wesentlich besser möglich.

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 First set up: 19/01/2000
Latest update: 19/01/2000
 Contact: Sabine Manning
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