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DE
 Pilot projects 
Schlussfolgerungen (> Conclusions)
Nationale Schlussfolgerungen: Deutschland/ Bayern

Werner Kusch
Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung (ISB), München

Oktober 1999

Allgemeine Einschätzung
Vor- und Nachteile des Pilotprojekts 
Länderübergreifende Gemeinsamkeiten im Rahmen des EU-Projektes DUOQUAL
DUOQUAL - Arbeitsschwerpunkt: Neue Lehr- und Lernprozesse

Verweis auf Fallstudie zu DE: Pilot projects.



Allgemeine Einschätzung

Das bayerische Pilotprojekt „Duale Berufsausbildung und Fachhochschulreife“ hat sich aus der Sicht aller Beteiligten in den letzten fünf Jahren bewährt und soll zukünftig -bei entsprechender Nachfrage- zum Regelangebot des beruflichen Schulwesens gehören. Sowohl die Differenzierung nach leistungswilligen und -fähigen Schülerinnen und Schülern als Eingangskriterium zur Aufnahme in den Modellversuch als auch der integrative Lehrplanansatz, der berufsbildende mit allgemein bildenden Lernzielen verknüpft, sowie die enge Kooperation mit den dualen Partnern der Wirtschaft haben entscheidend zum Erfolg des Modellversuchs in Bayern beigetragen.
    Beeindruckend ist, dass es in Norwegen gelungen ist, im sogenannten „Zwei-plus-Modell, wo nach zwei Jahren grundlegender vollzeitschulischer Ausbildung entweder eine Lehrlingsausbildung oder eine schulische Berufsausbildung folgt, der Erwerb der Hochschulreife integraler Bestandteil der Ausbildungsgänge ist.
 

Vor- und Nachteile des Pilotprojekts 

Unter Berücksichtigung, dass das bayerische Pilot-Projekt in das traditionelle duale System der beruflichen Erstausbildung in Deutschland eingebunden ist, kann festgestellt werden: 

  • Die jungen Auszubildenden erhalten sowohl eine Studienberechtigung (Fachhochschul-reife) als auch einen qualifizierten Arbeitsplatz, d. h. alle drei im Rahmen des DUOQUAL-Projektes diskutierten Aspekte (Educational mobility, competence and occupational mo-bility) werden in unserem Pilotprojekt verwirklicht;
  • die Anzahl der Pilotprojekte ist noch zu klein, und es beteiligen sich bis jetzt nur Teilbereiche der Großindustrie an den Projekten. Das Handwerk in der Bundesrepublik Deutschland ist aus verständlichen Gründen eher an einer länger dauernden beruflichen Qualifizierung der jungen Leute interessiert (Wirtschaftlichkeit), nicht so sehr an deren Interesse, gleichzeitig eine Studienberechtigung zu erwerben, da dadurch immer die Ge-fahr besteht, dass die Auszubildenden den Betrieb wieder verlassen.
Länderübergreifende Gemeinsamkeiten im Rahmen des EU-Projektes DUOQUAL 

Interessant ist und war, dass wesentliche Erkenntnisse in und aus den einzelnen EU-Ländern, die sich am DUOQUAL-Projekt beteiligten, in dem bayerischen Modellversuch verwirklicht werden konnten bzw. worden sind. Besonders hervorzuheben sind dabei:

  • Der in allen EU-Ländern sichtbar gewordene gesellschaftliche Wandel und die veränderten Qualifikationsanforderungen am Arbeitsplatz verlangen überall eine verstärkte Förderung von sogenannten Schlüsselqualifikationen. 
  • Die zunehmende Theoretisierung beruflicher Lerninhalte erfordert neue, z. B. handlungso-rientierte, projektorientierte bzw. fächerübergreifende Lernmethoden und Lehrpläne, die die Rahmenbedingungen dafür schaffen. 
  • Vele Partnerländer wünschen eine Stärkung des Ansehens beruflicher Bildung durch z. B. doppelqualifizierende Bildungsgänge, die eine Verknüpfung von beruflichen mit allgemein bildenden Lernzielen und –inhalten inkl. des Erwerbs einer Hochschulzugangsberechtigung vorsehen. Durch den Erwerb der zwei Bildungsabschlüsse im bayerischen Pilot-Projekt erhofft man sich eine Verbesserung der beruflichen Flexibilität und eine Steigerung des „Marktwertes“ der Teilnehmer am Arbeitsmarkt. 
DUOQUAL - Arbeitsschwerpunkt: Neue Lehr- und Lernprozesse
 
Auch hier stützt der bayerische Modellversuch im Nachhinein die gemeinsamen Erkenntnisse der DUOQUAL-Partner, so z. B.:
  • Eine Kombination von allgemein bildenden Lerninhalten mit berufsbildenden Lerninhalten hilft, die Anschaulichkeit und die Behaltensleistung von Lernenden in neuen Lernsituationen zu verbessern (Steigerung der Lerneffektivität; Verkürzung der Lernzeiten). 
  • Erfahrungswissen kann in oben genannten Lernsituationen vom Lernenden besser eingebracht werden. Es steigert die Motivation der Lernenden, wenn sie erfahren, wofür allgemein bildende Lerninhalte „gebraucht“ werden bzw. wo sie eine Anwendung in konkreten Situationen haben.
  • Durch die Integration von allgemein bildenden mit beruflichen Lerninhalten werden automatisch die sogenannten Schlüsselqualifikationen beim Lernenden gefördert, da der Lernprozess über berufliche Lerninhalte oft neue Lernmethoden (z.B. handlungsorien-tierte Lernmethoden) beinhaltet bzw. verlangt (siehe neue Technologien).

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 First set up 15/12/1999
Latest update: 15/12/1999
 Contact: Sabine Manning
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